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Highlight 109
Ausgabe vom 31. August 2001
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

2001 KX76 - ein großer Plutino

Prediscovery images 2001KX76

Am 2. Juli 2001 wurde, im Rahmen eines systematischen Suchprogramms nach transneptunen Objekten (TNOs) oder KuiperBelt Objekten (KBOs) einer amerikanischen Forschergruppe unter der Leitung von Robert Millis (Lowell Observatorium, Flagstaff, AZ, USA) das Objekt mit der provisorischen Bezeichnung 2001 KX76 entdeckt. Wegen seiner Helligkeit wurde spekuliert, dass es sich um einen relativ großen Asteroiden handeln muss. Die vorhandenen Bahndaten waren jedoch zunächst zu ungenau, um eine sichere Aussage über die Entfernung des Objektes zu machen, eine Voraussetzung um eine Abschätzung der Größe durchführen zu können.

Im Rahmen des DANEOPS Programmes, einem Kooperationprojekt zwischen professionellen Astronomen und Amateuren, das sich mit der Suche von Archivaufnahmen von (neuentdeckten) erdnahen Asteroiden und Kometen (NEOs) und anderen speziellen Asteroiden befasst, wurden jetzt alte Aufnahmen von 2001 KX76 gefunden. Dabei wurde eine besondere neue Einrichtung verwendet: das sog. Virtuelle Observatorium (ASTROVIRTEL), ein von der EU und der ESA finanziertes "Database System" das eine große Anzahl von astronomischen Aufnahmen, die mit verschiedenen Teleskopen aufgenommen worden sind, für andere Forschungsprojekte zur Verfügung stellt. Im Fall des Asteroiden 2001 KX76 waren besonders CCD Aufnahmen, die im Juli 2000 mit der WFI-Kamera des MPG-ESO 2.2m Teleskops auf La Silla aufgenommen wurden, von entscheidender Bedeutung.

Die Identifizierung des Objektes auf drei CCD Aufnahmen erlaubte Arno Gnädig, Amateurastronom und Mitglied des DANEOPS Team, die Verbesserung der ursprünglichen Bahn des Asteroiden, sodaß auch Voraussagen für noch frühere Aufnahmen sinnvoll wurden. (Bei zu großer Unsicherheit der Bahnparameter ist der zu durchsuchende Himmelsbereich so groß, dass die Archivsuche unmöglich wird.) Mit Hilfe der neuen, verbesserten Bahn konnten Aufnahmen von 2001 KX76 bis zurück ins Jahr 1982 lokalisiert werden, was einen Bahnbogen von fast 20 Jahren ergab - und damit eine sehr genaue Bestimmung der Bahnparameter und damit auch der Entfernung des Objektes zu den jeweiligen Beobachtungszeitpunkten.

Aus den gemessenen Helligkeiten und den bekannten Entfernungen kann die sog. absolute Helligkeit bestimmt werden. Das ist die Helligkeit, die ein Asteroid in einer Entfernung von 1 AE von der Sonne und der Erde haben würde. Für 2001 KX76 wurde ein H=3.2 mag errechnet, ein Wert der heller ist als für alle bekannten Asteroiden, einschließlich des größten, (1) Ceres. Um nun aus der absoluten Helligkeit auf die wirkliche Größe, also den Durchmesser des Objektes zu schließen, braucht man die Kenntnis der Albedo. Das ist der Anteil des von der Oberfläche reflektierten Sonnenlichtes. Dieser ist für KX76 nicht bekannt und konnte auch noch nicht gemessen werden. Unter der Annahme, er habe eine für KBOs typische Albedo, wurde mit 0,07 der gleiche Wert verwendet, die der vor kurzem vermessen (20000) Varuna besitzt. Damit kommt man auf einen Durchmesser von 1200km. Diese Größe entspricht etwa jener des Mondes von Pluto, Charon, der 1150km misst. Eine genaue Bestimmung von Größe und Albedo kann erst durch direkte Messungen erfolgen, z.B. mit Hilfe des James Maxwell Clerk Teleskopes (JMCT), das im submillimeter Bereich die Wärmestrahlung eines Objektes messen kann.

Die Informationen zu diesem Highlight stammen von Dr. Gerhard Hahn aus der Abteilung "Kleine Körper und Extrasolare Planeten". Hier beschäftigt man sich mit der Erforschung der Kometen und Asteroiden in unserem Sonnensystem sowie mit der Suche nach extrasolaren Planeten. Diese Forschungen dienen dem Verständnis der Bildung und Entwicklung unseres Sonnensystems. Dr. Hahn leitet u.a. das o.g. DANEOPS-Programm und ist aktiv in der deutschen Spaceguard-Foundation.

Weitere Informationen finden sich in den Presseaussendungen der ESO.


Autor: Dr. Gerhard Hahn WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost
URL dieser Seite: http://solarsystem.dlr.de/HofW/nr/109/index.shtml

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