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Highlight 255
Ausgabe vom 03. Januar 2005
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

2005 : Highlights der Planetenforschung


Bild o/l: Antonieta Tavares Caicedo - mit freundlicher Genehmigung der Planetary Society
Bild o/r: ESA
Bild u/l: ESA
Bild u/r: ESA/DLR/FU Berlin (Neukum)

Vielleicht hat Antonieta Tavares Caicedo aus Venezuela hellseherische Fähigkeiten: Denn so wie im Bild oben links stellt sich die kreative elfjährige Schülerin die Umgebung vor, in der am 14. Januar die europäische Huygens-Sonde auf dem Saturnmond Titan landen wird. Titan ist der einzige Trabant im Sonnensystem mit einer Gashülle, weshalb noch mit keinem Fernerkundungsinstrument ein aussagekräftiger Blick auf die Oberfläche dieses Körpers möglich war. Huygens, so hofft man, wird uns diese Blicke nun ermöglichen. Mit diesem Gemälde gewann die junge Dame einen ersten Preis in einem Malwettbewerb für Kinder und Jugendliche, den die amerikanische Planetary Society veranstaltet hatte.

Zweifelsohne ist diese erste Landung auf einem Körper des äußeren Sonnensystems der absolute Höhepunkt des Weltraumjahres 2005. Das Manöver ist seit vielen Jahren minutiös geplant; bereits am 25. Dezember 2004 wurde die 318 Kilogramm schwere Kapsel vom Cassini-Orbiter abgetrennt und befindet sich seither auf einer ballistischen (also ungesteuerten) Flugbahn zum größten Saturntrabanten.

Schließlich wird sie am 14. Januar gegen 11:15 Uhr MEZ in einem flachen Winkel in die obere Atmosphäre des Titan eintauchen und mit der Datenaufnahme beginnen. Gebremst von der immer dichter werdenden Gashülle des Mondes und von drei sich nacheinander öffnenden Fallschirmen wird Huygens dann zwei Stunden später auf der Titanoberfläche ankommen: Ob die Landung auf festem Grund oder in einem Gewässer erfolgt - niemand kann dies vorab mit hinreichender Sicherheit sagen.

Maximal zwei Stunden könnte die Landekapsel auf dem minus 180 Grad Celsius kalten Titanboden weitere Experimente ausführen, ehe die Stromversorgung zusammenbricht bzw. der Cassini-Orbiter hinter dem Titanhorizont verschwindet und keine längere Datenübertragung mehr möglich ist. Mit dem Spektrometer VIMS an Bord des Cassini-Orbiters hatten auch Mitarbeiter des DLR-Instituts für Planetenforschung einen - freilich nur groben - Blick auf die angepeilte Landestelle von Huygens (siehe Highlight Nr. 248 vom 1. November 2004).

Den zunächst heikelsten Moment, nämlich den Start, brachte die ESA-Kometensonde Rosetta bereits am 2. März 2004 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou erfolgreich hinter sich. Nun befindet sich das Raumschiff in einer heliozentrischen Flugbahn, die es letztlich zu ihrem eigentlichen Ziel, dem Kometen Churiumov-Gerasimenko führen wird. Dort wird Rosetta in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken - ein Manöver, wie es in der Raumfahrt noch nie durchgeführt wurde - und als weiteren Höhepunkt den Lander Philae auf dessen Oberfläche absetzen.

Um das Ziel erreichen zu können wird Rosetta im März 2005 nahe an der Erde vorbeifliegen, um bei einem gravity assist von unserem Planeten unmerklich etwas kinetische Energie abzuzweigen und sich dadurch zu beschleunigen (unten links, künstlerische Darstellung). Das zweite so genannte Swing-By-Manöver wird im November 2007 erfolgen. Das Institut für Planetenforschung ist mit zahlreichen wissenschaftlichen und technischen Beiträgen an Rosetta beteiligt.

Viel vertrauter erscheinen dagegen inzwischen die dreidimensionalen Ansichten der Marsoberfläche. Seit einem Jahr ist der ESA-Orbiter Mars Express nun in einer Umlaufbahn um unseren Nachbarplaneten. Seit der ersten Aufnahme am 8. Januar 2004 mit der High Resolution Stereo Camera, die vom HRSC Experiment-Team am Institut betrieben wird, konnten bereits große Flächen des "roten Planeten" in hoher Auflösung, in Farbe und vor allem in "3D" aufgenommen werden.

Das Bild unten rechts zeigt Erosionsstrukturen in einem zentralen Abschnitt des Canyonsystems der Valles Marineris mit bis zu sechstausend Meter hohen Klippen. Die Ansicht wurde von Ernst Hauber und Frank Scholten vom Institut für Planetenforschung berechnet. Das Kameraexperiment wird auch 2005 mit voller Kraft fortgesetzt. Zu Beginn des neuen Jahres herrschen für die HRSC ausgezeichnete Beobachtungsbedingungen, die natürlich so gut wie möglich von dem 45-köpfigen Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Principal Investigators, Professor Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin, genutzt werden. Über die ursprünglich geplante Missionsdauer von zwei Erdenjahren dürfte das Projekt Mars Express von der ESA wohl um ein weiteres Marsjahr, also bis Ende 2007 verlängert werden.

Nach dem Express zum Mars wird die europäische Weltraumagentur ESA in diesem Jahr auch zum anderen Erdennachbar fliegen - wegen der Ähnlichkeit des Missionskonzepts lag es nahe, das Projekt Venus Express zu taufen. Im Herbst wird die Nutzlast von einem Sojus-Fregat-Trägersystem auf dem kasachischen iWeltraumbahnhof Baikonur gestartet und auf einen direkten Transferkurs zur Venus gebracht. Nach 153 Tagen erreicht der Venus Express sein Ziel und wird in einen hochelliptischen Orbit einschwenken, der das Raumschiff im Perizentrum bis zu 250 Kilometer an den Planeten heranführt (oben rechts). "Nur" zwei Venustage wird die Mission zunächst dauern ... dies entspricht jedoch 500 Erdentagen! Das Institut für Planetenforschung entwickelte die Venus Monitoring Camera, die ein Derivat der auf Mars Express geflogenen HRSC ist. Wissenschaftlich wird das Experiment von W. Markiewicz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung geleitet.

Die Informationen zu diesem Highlight der Woche stammen von Ulrich Köhler aus der Abteilung Planetengeologie. Die Abteilung beschäftigt sich intensiv mit der Auswertung von Bilddaten der verschiedensten Raumfahrtmissionen. Von besonderem Interesse sind dabei die geologische Entwicklung und die Altersbestimmung, aber auch die geochemische Zusammensetzung der jeweiligen Himmelskörper.

Links:
Cassini-Webseiten des DLR-Instituts für Planetenforschung: http://www.dlr.de/cassini
Cassini-Huygens-Webseiten des DLR: http://www.dlr.de/cassini-huygens
Cassini/Huygens-Webseiten der ESA: http://www.esa.int/SPECIALS/Cassini-Huygens/index.html
Cassini-Webseiten der NASA am Jet Propulsion Laboratory: http://saturn.jpl.nasa.gov/

Die wissenschaftlichen Seiten des Mars Express Teams:
www.dlr.de/mex/ und www.dlr.de/marsexpress/.
Die Mars Express-Seite des DLR: www.dlr.de/mars-express/.
Die Mars Express-Seite der ESA: www.esa.int/SPECIALS/Mars_Express.

Die Venus Express-Seite der ESA: http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=64

Die Rosetta-Seite des DLR: http://www.dlr.de/DLR-Rosetta
Die Rosetta-Seite der ESA: http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=13

Weitere Highlights der Woche zum Thema Saturn , Mars , Venus , Kleine Körper


Autor: Ulrich Köhler WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost
URL dieser Seite: http://solarsystem.dlr.de/HofW/nr/255/index.shtml

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