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Ausgabe vom 22. Dezember 2009
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Feuerkugel als Weihnachtsstern


Feuerkugel bei Reischach und Bruneck (Südtirol)
14.12.2009, 22:43 Uhr MEZ
Canon EOS 40D mit Zenitar-M 2,8/16mm, 30sec Belichtungszeit, Blende 4, ISO 640
Bild: Christof Wiedemair

Welch ein schönes Bild, welche weihnachtliche Stimmung. Es begab sich in den Feldern nahe dem Kappler-Stöckl-Kirchlein zwischen Reischach und Bruneck in Südtirol, dass eine Feuerkugel gesichtet wurde. Und siehe da: ein Fotograf hatte seine Kamera aufgebaut und hielt das Ereignis für alle Zeiten fest, auf dass wir uns alle freuen können an dieser Pracht und diesem schönen Bild.

Die Assoziation zwischen der abgebildeten Feuerkugel und dem Weihnachtsstern ist naheliegend. Viele astronomische Deutungsversuche wurden für diesen gewagt. Giottos Bild mit dem Kometen Halley ist bekannt, und auch das mehrfache Zusammentreffen der großen hellen Planeten am Himmel wird gern zitiert. Die hier festgehaltene Feuerkugel leuchtete nur etwa für zwei Sekunden auf, bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden für das Gesamtbild. Dies ist auch der Grund dafür, warum auf der Aufnahme so viele Sterne zu sehen sind.

Die Flugrichtung der Feuerkugel ging "von oben" zum Horizont in östlicher Richtung. Dort geht gerade das Sternbild Löwe auf. Süden befindet sich außerhalb des rechten Bildrandes. Am oberen rechten Rand erkennt man die drei senkrecht stehenden Gürtelsterne des Orion, dessen fehlende "Füße" nach Süden zum Horizont ragen. Die kleine dichte Sterngruppe auf halbem Wege zwischen der Kirchturmspitze und dem Anfang der Feuerkugel ist die Praesepe (NGC2632) im Krebs. Rechts darüber am oberen Bildrand sieht man die beiden hellen Hauptsterne Kastor und Pollux des Sternbildes Zwillinge. Die tonnenförmige Verzeichnung des Objektivs berücksichtigt, gehört diese Feuerkugel offensichtlich dem Geminiden-Meteorstrom an, der am 14. Dezember sein Maximum hat.

Im Jahr 2009 gab es eine ganze Reihe von spektakulären Feuerkugeln. Die bekannteren davon waren Mitte Januar der Ostsee- und Mitte Oktober der Nordseebolide. Es verging aber kein Monat, in dem nicht mindestens eine Beobachtungsmeldung von hellen Boliden über Deutschland das Europäische Feuerkugelnetzwerk erreichte. Derartige Himmelsereignisse sind für alle zufälligen Beobachter von unglaublicher Faszination und man erinnert sich lange daran. Ein Meteor oder eine Feuerkugel entsteht, wenn ein kleines Teilchen aus dem Weltraum mit hoher Geschwindigkeit (20-70 km/sec) in die Erdatmosphäre eindringt und die Luft vor sich derart stark zusammenstaucht, dass die Luftmoleküle ionisiert und zum leuchten angeregt werden.

Da sich diese Leuchtereignisse in Höhen zwischen 100 Kilometer bis hinab zu 60 Kilometer ereignen, sind diese bei wolkenfreiem Wetter in Entfernungen bis zu 800 km sichtbar. Kommt eine günstige Zeit am frühen Abend hinzu, so können viele hundert Menschen das Ereignis miterleben. Das Licht einer Feuerkugel ist so intensiv hell, dass Zeugen häufig der Meinung sind, diese sei nur wenige hundert Meter über ihnen dahin gezogen, obwohl Messungen zeigen, dass die Entfernung mindestens 60-80 Kilometer betragen haben muss. Es gibt einfach kein irdisches Ereignis von gleicher Intensität, welches wir als Vergleich heranziehen können.

Links:
Das Bild zum Download (2000x1331 Pixel, JPG, 748 kB)

Europäisches Feuerkugelnetz       www.dlr.de/Feuerkugelnetz
Videoclip aus derselben Nacht (aus 175 Einzelbildern zu je 30 Sekunden)

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Autor: Wilfried Tost, WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost
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