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Ausgabe vom 14. April 2010
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Vulkan Idunn Mons auf der Venus


Vulkan Idunn Mons auf der Venus
Erhöhte Temperaturwerte an der Bergspitze
ESA/VIRTIS VenusX-Team

Die Abbildung zeigt den Vulkan Idunn Mons auf der Venus. Die farbig gekennzeichneten Bereiche zeigen das Wärmemuster der Region und basieren auf den Daten des Spektrometers VITRIS auf der europäischen Sonde Venus Express. Die wärmsten Gebiete sind in rot-orange, die kühlsten in leichtem Violett dargestellt. Die höchsten Temperaturen wurden am Berggipfel und den von dort ausgehenden Lavaflüssen festgestellt.

Seit vier Jahren (dem 11. April 2006) umkreist die Sonde Venus Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA den Planeten, der ständig unter einer dichten Wolkendecke verborgen liegt. In einer elliptischen Bahn um die Venus überfliegt die Sonde die Pole des Planeten in einer Entfernung zwischen 66.000 und 300 Kilometern. Mit an Bord: das Infrarot-Messinstrument VIRTIS, das als einziges durch so genannte "atmosphärische Fenster" bis auf die Oberfläche der Venus blicken und die Wärmestrahlung des Planeten in verschiedenen Höhen registrieren kann.

Neun "Hotspots", also Gebiete mit einer aktiven großen unterirdischen Magma-Kammer, könnten nach der Auswertung der Daten sehr wahrscheinlich vulkanisch aktiv sein. Die erstarrten Lavaflüsse, von denen die Wärmestrahlung an der Oberfläche ausgeht, scheinen kaum verwittert zu sein. Daher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sie jünger als 2,5 Millionen Jahre sind; die meisten sehr wahrscheinlich sogar jünger als 250.000 Jahre. Für Geologen bedeutet ein solches Alter fast schon die Gegenwart. Möglich seien auch kleinere Vulkanausbrüche und Lavaflüsse, die sich auf sehr begrenzte Regionen beschränkten.

Wie auf der Erde ist es auch auf der Venus in Bergen kälter und in Tälern wärmer. Die Atmosphäre der Venus ist jedoch so dicht, dass sie die Temperatur der Planetenoberfläche vollständig bestimmt. Daher können die Wissenschaftler die Temperaturen der Oberfläche in Modellen vorausberechnen. Die Daten, die VIRTIS im vergangenen Jahr aufzeichnete, zeigen jedoch an verschiedenen Stellen auf dem Planeten eine Abweichung von zwei bis drei Grad Celsius zur vorhergesagten Temperatur. Das kann daher kommen, dass unterschiedliche Gesteine vorliegen, die sich auch thermisch unterschiedlich verhalten. Im Blick von VIRTIS sind die Hotspots der Regionen Imdr, Themis und Dione, die sich bis zu 2,5 Kilometer über der Ebene erheben und als wahrscheinlichste Gebiete für aktiven Vulkanismus gelten. Die Auswertung der Daten ist dabei für die Forscher schwierig: Die Wolkendecke versperrt unseren Blick auf die Oberfläche, und der Effekt muss aus den Daten herausgerechnet werden. Trotzdem sieht es am Ende wie ein Blick durch eine Milchglasscheibe aus.

Welche Materialien die auffällige Wärmestrahlung auf der Venus absondern, soll durch Messungen in einem speziellen Labor (Planetary Emissivity Laboratory) im Berliner DLR-Institut für Planetenforschung festgestellt werden. Dort werden verschieden Gesteine auf eine für die Venus typische Temperatur von 500 bis 600 Grad Celsius gebracht und deren Emissionseigenschaften in verschiedenen Wellenlängen gemessen, ebenso, wie das Instrument VIRTIS aus dem Weltall auf die Venus blickt. Im Vergleich mit den Daten von VIRTIS kann dann die bis jetzt noch offene Frage nach den Bestandteilen der Venusoberfläche geklärt werden.

Sollten weitere Auswertungen bestätigen, dass die Venus vulkanisch aktiv und somit der erste terrestrische geologisch aktive Planet neben der Erde ist, wäre dies eine Erkenntnis, die auch Rückschlüsse auf unseren Planeten zulassen würde. So ähnlich sich Erde und Venus von Größe und Aufbau sind, so verschieden sind sie nämlich in ihrer Entwicklung. Doch wann und warum verlief diese Entwicklung dann unterschiedlich, so dass die Erde Leben ermöglicht, während die 500 Grad Celsius heiße Venus ohne Wasservorkommen nur eine lebensfeindliche Umgebung bietet? Im Vergleich mit der Venus können wir vielleicht erfahren, was die Erde so besonders macht.

Bereits 25 Raumsonden waren vor Venus Express im Einsatz. Für die Raumsonde greifen die Wissenschaftler teilweise auf bewährte Systeme zurück: So übernahm man Entwicklungen der europäischen Marssonde Mars Express. VIRTIS selbst wurde ursprünglich für die ESA-Kometensonde Rosetta beim DLR in Berlin konstruiert. Eine bedeutende Vorläufermission war die Radar-Kartierung durch die NASA-Raumsonde Magellan, deren Kartenmaterial bereits auf hunderte Vulkane schließen ließ. Allerdings nahm man zunächst an, dass diese allesamt erloschen seien. Neben VIRTIS kreisen sechs weitere Experimente mit Venus Express um den heißen Planeten, die unter anderem die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Temperatur aufzeichnen sollen.

Links:
Das Bild zum Download (2000x1125 Pixel, JPG, 279 kB)

Die wissenschaftlichen Seiten des Venus Express Teams: www.dlr.de/venusexpress/
Die Venus Express-Sonderseite der ESA: www.esa.int/SPECIALS/Venus_Express
Venus Express Ground Observing Project: http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=38833

VIRTIS Teamsite (Institut für Planetenforschung)
Emissivitätslabor (Highlight der Woche Nr. 374)

Weitere Highlights der Woche zum Thema Venus


Autor: Manuela Braun, Dr. Jörn Helbert, Wilfried Tost
WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost
URL dieser Seite: http://solarsystem.dlr.de/HofW/nr/461/index.shtml

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