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Tektonischer Graben im westlichen Claritas Fossae-Gebiet

Bild 1 (Anaglyphe)


Hi-Res JPG (16.9 MB)
Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)


Zur Ansicht der dreidimensionalen Bilder benötigen Sie eine Rot-Grün- oder eine Rot-Blau-Brille, die Sie in Deutschland z.B. bei jedem gutsortierten Optiker erhalten

 


Bild 2 (Perspektive)


Hi-Res JPG (13.7 MB)
Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

 


Bild 3 (Perspektive)


Hi-Res JPG (12.4 MB)
Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

 


Bild 4 (Farbbild)


Hi-Res JPG (15.3 MB)
Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

 


Bild 5 (Graustufenbild)


Hi-Res JPG (8.72 MB)
Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

 


Bild 6 (Graustufenbild)


Hi-Res JPG (1.11 MB)
Copyright: NASA/JPL/MSSS

 


Bild 7 (Regionaler Kontext)


Copyright: NASA/JPL/MOLA

 
 
Am 29. Juni 2004 nahm die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Sonde Mars Express im Orbit 563 das Gebiet von Claritas Fossae mit einer Auflösung von ungefähr 62 Meter pro Bildpunkt auf. Die Bilder zeigen ein Gebiet bei ungefähr 25 Grad südlicher Breite und 253 Grad östlicher Länge.

Claritas Fossae liegt auf der Tharsis-Aufwölbung, südlich der drei als Tharsis Montes bekannten Vulkane. Die Region erstreckt sich in annähernd südlicher Richtung über etwa 1.800 Kilometer und verbreitert sich von ungefähr 150 Kilometer im Norden auf etwa 550 Kilometer im Süden. Claritas Fossae besteht aus einer Vielzahl von linearen Bruchstrukturen, die zumeist nur wenige Kilometern breit sind.

Die Serie von Brüchen, die das Gebiet von Claritas Fossae durchziehen, verläuft radial zur Tharsis-Aufwölbung. Dies unterstützt die Annahme, dass die Bruchstrukturen durch Spannungen in der Marskruste bei der Bildung der bis zu 10 Kilometer hohen Tharsis-Aufwölbung entstanden sind.

Im östlichen Bereich des Bildausschnitts ist eine lineare Struktur mit deutlichem Schatten zu sehen. Es handelt sich vermutlich um eine "tektonische Abschiebung": Entlang einer senkrecht oder schräg in den Untergrund führenden Bruchfläche rutscht ein Krustenblock relativ zum anderen in die Tiefe und bildet so eine markante Geländekante. Diese tektonische Abschiebung wird als östliche Grenze eines 100 Kilometer breiten tektonischen Grabens interpretiert. Als Graben bezeichnet man in der Geologie einen Krustenblock, der relativ zur Umgebung nach unten versetzt ist. Das Grabeninnere ist durch eine kaum strukturierte Oberfläche gekennzeichnet, die ungefähr 2.300 Meter unter den östlich angrenzenden Hochebenen liegt. Der Hang ist in der Schrägansicht gut zu erkennen.

Im Bildzentrum ist ein ungefähr 50 Kilometer durchmessender Einschlagskrater zu sehen, dessen Konturen durch Erosion abgerundet sind. Der Krater wird von mehreren Störungen durchzogen, was zeigt, dass er älter als diese Bruchstrukturen ist. Südlich ist eine weitere runde Struktur von ungefähr 70 Kilometer Durchmesser zu sehen. Dies könnte ein weiterer alter Einschlagskrater sein.

Westlich dieser zwei Krater ist ein kleines Gebiet mit einer interessanten Oberfläche und Morphologie zu erkennen. Diese Strukturen scheinen nur schwach von den von Norden nach Süden verlaufenden tektonischen Brüchen beeinflusst zu sein. Der Ursprung dieser Geländeformen ist bisher nicht geklärt, es könnte sich jedoch um Kollapsstrukturen der Oberfläche handeln, die durch das Abtauen von Eis im Untergrund und dem anschließenden Abfluss des Wassers entstanden sind.

Durch die neuen Bilddaten, die durch die hochauflösende Stereokamera im Gebiet von Claritas Fossae gewonnen wurden, kann die komplexe geologische Geschichte des Mars besser erforscht werden. Die Stereo-und Farbbilder der HRSC ermöglichen ein besseres Verständnis der Entwicklung der Oberfläche des Planeten und seiner Geländeformen und Gesteine und helfen bei der Planung zukünftiger Marsmissionen.

Die Farbdarstellung (Bild 4) wurde aus den Farbkanälen und dem Nadirkanal, dem direkt nach unten blickenden Sensor der HRSC, erstellt. Das Anaglyphenbild (Bild 1), das bei Verwendung einer Rot-Blau- oder einer Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Oberfläche liefert, und die beiden perspektivischen Ansichten (Bild 2 und 3), wurden aus dem Nadirkanal und den Stereokanälen berechnet. Für die Darstellung im Internet wurde die Originalauflösung der Bilddaten verringert.

Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen hat, geleitet. Das Wissenschaftsteam besteht aus 45 Co-Investigatoren aus 32 Instituten und zehn Nationen. Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Leitung des Principal Investigators (PI) Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch die systematische Datenprozessierung. Die hier gezeigten Darstellungen wurden vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin erstellt.


Ansprechpartner:

Dr. Ralf Jaumann
Experimentmanager der Stereokamera HRSC
am DLR-Institut für Planetenforschung, Berlin-Adlershof
Tel.: 030 / 67055-400/-401
Fax: 030 / 67055-402
Mail: Ralf Jaumann

Prof. Dr. Gerhard Neukum
FU Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften
Tel.: + 49 (0) 30 / 838-70579/ -70575 (Sekretariat)
Fax: + 49 (0) 30 / 838-70118
Mail: Prof. Dr. Gerhard Neukum

Ulrich Köhler
DLR-Institut für Planetenforschung, Berlin-Adlershof
Tel.: 030 / 67055-215
Fax: 030 / 67055-402
Mail: Ulrich Koehler

Elke Heinemann
DLR Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Online-Redaktion Köln
Tel.: 02203 / 601-2867
Fax: 02203 / 601-3249
Mail: Elke Heinemann  


 


 
 
Autor: Ulrich Köhler WWW-Bearbeiter: Dennis Reiß  
Letzte Änderung: Friday, 10-Jun-2005 13:55:44 CEST