| Diese Bilder der vom Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebenen,
hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord der
ESA-Raumsonde Mars Express wurden in der vergangenen
Woche auf der ersten Mars Express Wissenschaftskonferenz
präsentiert. Sie zeigen Gebiete, die für die
Wissenschaftler von besonderem Interesse sind - Wasser,
Eis, Gletscher und Vulkane.
Auf Bild 1 und Bild 2 ist die vereiste Nordpolkappe
des Mars zu sehen. Die Bilder zeigen Schichten von
Wassereis und Staub zum ersten Mal in einer
perspektivischen Ansicht. Bild 2 ist eine Nahaufnahme
des oberen rechten Teils von Bild 1. Die Klippen auf
diesem Bild sind fast zwei Kilometer hoch. Das dunkle
Material, das sich in den kraterähnlichen Strukturen und
den Dünenfeldern befindet, könnte vulkanische Asche
sein.
Bild 3 zeigt ebenfalls den Nordpol des Mars. Hier hat
die Mars Express-Sonde ein Feld vulkanischer Kegel
fotografiert. Einige von ihnen sind bis zu 600 Meter
hoch. Sie scheinen von junger vulkanischer Aktivität zu
zeugen. Es bleibt die Frage, ob es auch heute noch
vulkanische Aktivität auf dem Mars gibt.
Die beiden kleineren Bilder (4 und 5) zeigen zwei
vulkanische Kegel von oben in Nahaufnahme. Der Kegel in
Bild 4 ist auf Bild 3 in der helleren linken oberen
Hälfte zu erkennen. Der Kegel auf Bild 5 befindet sich
auf Bild 3 etwa auf der Hälfte der dunkleren Seite des
Abhangs.
Auf Bild 6 sieht man Kasei Valles, einen der größten
Ausflusskanäle auf dem Mars. Das Bild enthält viele
Anzeichen für die Aktivität von Gletschern und Flüssen,
die über einen langen Zeitraum in der Geschichte des
Roten Planeten stattgefunden hat. Kasei Vallis wurde
bereits während Orbit 61 aus einer Höhe von 272
Kilometer von der HRSC-Kamera an Bord von Mars Express
aufgenommen. Der Bildausschnitt befindet sich ungefähr
bei 29 Grad nördlicher Breite und 300 Grad östlicher
Länge. Die in Bild 7 sichtbaren rinnenartigen Strukturen
sind sehr wahrscheinlich durch Abtragung von Eis bzw.
durch Vergletscherung entstanden und nicht durch
Auswaschung von Wasser. Dies widerspricht dem, was die
Wissenschaftler bis jetzt angenommen hatten.
Der Gletscher, der dieses Tal verursacht hat, wurde
durch Wasser aus der Echus Chasma Region gespeist, das
durch vulkanische Aktivität im Untergrund an die
Oberfläche gelangte. Wasser wurde aufgrund der Hitze
durch die vulkanische Aktivität im Flussbettboden
freigesetzt. Das passierte vor etwa 20 Millionen Jahren
– in Hinblick auf die Geschichte des Mars vor ziemlich
"kurzer" Zeit.
Echus Chasma ist die Ursprungsregion des Kasei Valles.
Die perspektivische Ansicht (Bild 8) wurde von der
HRSC-Kamera an Bord von Mars Express während Orbit 97
aufgenommen. Das Bild zeigt, dass vor Tausenden von
Millionen Jahren einmal flüssiges Wasser auf der
Mars-Oberfläche existiert hat.
Die perspektivische Ansichten des westlichen Teils
des Olympus Mons-Kraters (Bild 9) zeigt Hinweise auf Eis
/ Schnee und Wasser. Die Nahaufnahme (Bild 10) zeigt
eine Detailansicht des Steilhangs, der in der linken
Hälfte von Bild 9 zu sehen ist.
Auf der östlichen Seite des gigantischen Vulkans hat
Lava, die vor etwa 200 bis 20 Millionen Jahren geflossen
ist, eine Schnee- und Eisschicht auf dem Schildvulkan
geschmolzen, so dass sich noch vor etwa 20 Millionen
Jahren flüssiges Wasser auf der Mars-Oberfläche befunden
hat. Auf der westlichen Seite hat Lava, die vor etwa 200
bis 2,5 Millionen Jahren geflossen ist, unterirdisches
Wasser in Bewegung gebracht und Gletscher geformt. Das
war vor etwa vier Millionen Jahren.
Die oben genannten Forschungsergebnisse wurden am 21.
Februar 2005 auf der Mars Express Wissenschaftskonferenz
der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Noordwijk,
Niederlande, präsentiert. Auf dieser Konferenz
diskutierten etwa 250 Projektwissenschaftler aus der
ganzen Welt die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse
der Mission Mars Express.
Die Farbdarstellungen wurden aus den Farbkanälen und
dem Nadirkanal, dem direkt nach unten blickenden Sensor
der HRSC, erstellt. Die perspektivischen Ansichten
wurden aus den Stereokanälen berechnet.
Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars
Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird
vom Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum
(Freie Universität Berlin), der auch die technische
Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen
hat, geleitet. Das Wissenschaftsteam besteht aus 45
Co-Investigatoren aus 32 Instituten und zehn Nationen.
Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) unter der Leitung des Principal
Investigators (PI) Gerhard Neukum entwickelt und in
Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS
Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik
GmbH). Die Kamera wird vom DLR-Institut für
Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier
erfolgt auch die systematische Datenprozessierung. Die
hier gezeigten Darstellungen wurden vom DLR-Institut für
Planetenforschung in Berlin in Zusammenarbeit mit dem
Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin
erstellt. |