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Zehn Höhepunkte der Galileo-Mission

1. Erde und Mond: "ist da wer?"

Wäre Galileo ein Raumschiff von einem fernen Stern gewesen: Die verschiedenen Daten der Instrumente an Bord hätten einer hypothetischen Gruppe von Wissenschaftlern in dieser galaktischen Zivilisation nach dem ersten und zweiten Schwungholen der Sonde am Blauen Planeten gemeldet: "Chemische Zusammensetzung der Atmosphäre und von Bestandteilen der Oberfläche lassen auf die Möglichkeit von Leben auf diesem Planeten schließen", so der verstorbene Wissenschaftler und Weltraumvisionär Carl Sagan in einer vielbeachteten Publikation.

2. The Far Side - die unbekannte Rückseite des Erdmondes

Der Mond zeigt der Erde stets die gleiche Seite, die Rückseite ist für den Menschen ohne Raumfahrzeuge nicht zu sehen - Galileo nahm beim ersten Erde-Mond-Vorbeiflug am 8. Dezember 1990 die "Far Side" auf, dazu noch in verschiedenen Farbkanälen, so daß die Wissenschaft erstmals in den Genuß von Daten kam, mit denen die mineralogische Zusammensetzung der Rückseite erfasst wurde. In der Bildmitte das Mare Orientale, das "Mondauge" - ein riesiges, 3,8 Milliarden Jahre altes und mit Vulkangesteinen gefülltes Einschlagsbecken.

3. Gaspra und Ida - fliegende Kartoffeln, inklusive Trabant

Erst beim "zweiten Hinschauen" offenbarte sich dem Galileo Imaging Team nach der Datenübertragung der Bilder vom Vorbeiflug am 56 Kilometer langen Asteroiden Ida (großes Bild), daß da "noch was" zu sehen war - Ida hat einen anderthalb Kilometer großen Mond! Eine wissenschaftliche Sensation auf dem Weg zum Jupiter. Zwei Jahre zuvor gelang beim Nahvorbeiflug an Gaspra (Kästchen) das erste "echte" Bild von einem Kleinplaneten aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

4. So was hat die Welt noch nicht gesehen! Einschlag auf Jupiter

In helle Aufregung wurde die weltweite Gemeinde der Astronomen versetzt, als sich herausstellte, dass ein Kometen-"Zug" aus über 20 kilometergrossen Brocken auf Jupiter zuraste und dort im Juli 1994 einschlagen würde. Leider lag die Einschlagstelle hinter dem von der Erde sichtbaren Horizont Jupiters - nur Galileo hatte mit seinen Instrumenten eine direkte Sichtlinie zu den Einschlägen. Der unscheinbare, größer und wieder kleiner werdende Punkt dokumentierte sekundengenau eine von zwanzig planetaren Katastrophen, die sich innerhalb von zwei Wochen am Jupiterereigneten: Die Einschläge setzten das Vielhundertfache der Hiroshima-Atombombe frei und erhitzten die Jupiteratmosphäre auf über 8000 Grad Celsius - heißer als die Sonnenoberfläche.

5. Wetterbericht vom Jupiter: Heiß und trocken

Erstmals drang eine Atmosphären-Meßkapsel in die Wolkenhülle eines der großen Gasplaneten im äußeren Sonnensystem ein. Die von Bändern und Wirbeln unterschiedlicher Zusammensetzung, Temperatur und Windgeschwindigkeit geprägte äußere Wolkenhülle Jupiters war Ziel der "Probe", die auf einer ballistischen Bahn in den Wolken des Gasriesen verschwand und für anderthalb Stunden Meßdaten zum Galileo-Orbiter übermittelte, ehe sie zerquetscht wurde. Die Atmosphäre Jupiters, so die Ergebnisse, ist trockener und heißer, als angenommen. Blitze mit viel größerer Energie als auf der Erde entladen sich in gigantischen Gewittern. Das Bild zeigt Zyklone, die sog. "weißen Ovale", die sich in den 1930er-Jahren gebildet haben, und einen Durchmesser von etwa 6 000 Kilometer haben.

6. Herr der Ringe, Teil II - Jupiters Gerümpelkammer

Mit den Teleskopen auf der Erde ist er nicht sichtbar, aber im Gegenlicht der Jupitersilhuette wurde er vom Kamerasystem an Bord von Galileo fotografiert: Der dünne Ring um Jupiters Äquator, freilich nicht so spektakulär und prominent wie am Nachbarplaneten Saturn. Galileo zeigte, dass Ringe ein "normales" Phänomen an den Gasplaneten ist. Die überwiegend sehr kleinen Partikel, Überbleibsel aus der Entstehung des Sonnensystems und Trümmerpartien von Kollisionen zwischen kleinen Monden, haben dort allerdings nur eine für astronomische Verhältnisse sehr kurze Überlebensdauer von etwa der Länge eines Menschenlebens ... ehe die Schwerkraft des Gasriesen sie nach und nach einverleibt.

7. Hitzewelle in Deutschland? - Lächerlich! Gehen Sie auf Io!

Die heißesten Gegenden im Sonnensystem - jenseits des Zentralgestirns - finden sich auf Io. Der Gesteinsmantel des innersten der vier Galileischen Monde wird von Gezeitenkräften durchgewalkt, so daß der dreieinhalbtausend Kilometer große Trabant gelegentlich Dampf ablassen muß, um seinen Wärmehaushalt in Ordnung zu halten. Ständig sind über 30 Vulkane aktiv und gestalten das Antlitz des Mondes neu. Galileo zeigte, daß der Vulkanismus auf Io über 1 500 Grad Celsius heiß sein kann. Derartige "Hitzewallungen" hatte die Erde nur in Ihrer Frühzeit, insofern lieferte Galileo auch Erkenntnisse über die thermische Frühgeschichte der Erde. Im Bild der Ausbruch des Vulkans Pillan mit seiner mehrere hundert Kilometer hohen Eruptionswolke.

8. Chaos auf Europa ... und die Frage: Wo ist der Ozean?

Auf Europa herscht Chaos - das ist nichts Neues und war seit der Voyager-Mission 1979 bekannt, die dieses "Conamara Chaos" genannte Gebiet erstmals, allerdings in hundertmal schlechterer Qualität fotografierte. In diesen chaotischen Terrains vermuten die Wissenschaftler aufgrund der Galileo-Aufnahmen, dass Wasser aus dem Europa-Mantel sich durch Gezeitenbewegungen Bahn brechen könnte aus dem Inneren des Mondes. Die Strukturen erinnern zumindest an zerbrochene Eisschilde in der Antarktis, zwischen denen Wasser die "Wunden" in der Kruste "kittet". Auch ist sicher, daß die Oberfläche Europas nicht sehr alt ist - es ist also nicht unwahrscheinlich, daß noch in geologisch junger Zeit auf Europas Innerem Wasser auf der Oberfläche ausgetreten ist und diese bizarren Formen gebildet hat. Es könnte aber auch sein, daß Europas Wasser durch und durch gefroren ist ... die Forschung hofft auf einen eigens zu Europa geschickten Orbiter.

9. Die eisige Elefantenhaut von Ganymed

Reichlich abstrakt, einer aus nächster Nähe fotografierten Elefantenhaut nicht unähnlich, muten die von Galileo gelieferten Ansichten von Ganymed an, dem größten Mond in unserem Sonnensystem. Der über 5 000 Kilometer große Trabant Jupiters - benannt nach dem Mundschenk und Gespielen des griechischen Göttervaters Zeus - hat eine Kruste und Mantel aus Eis, aber einen festen Gesteinskern. Galileo zeigte, daß dieser Aufbau für ein aktives Magnetfeld um Ganymed sorgt. Spuren von "Kryovulkanismus", also aus dem Innern aufgedrungenes plastisches Eis, konnten die Forscher allerdings nicht wie erhofft aufspüren. Dennoch zeigt das Muster der Oberfläche Ganymeds, daß hier gewaltige tektonische Kräfte das Antlitz des Mondes geprägt haben. Diese perspektivische Ansicht entstand am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

10. Callisto, der Methusalem unter den Monden

Wäre Galileo ein Raumschiff von einem fernen Stern gewesen: Als ob ein Titan gigantische Brocken in einen Tümpel geworfen hatte und das Wasser dann gefror: Auf Callisto sind die größten Einschlagsbecken des Sonnensystems erhalten, auch, weil es die älteste, mehr als vier Milliarden Jahre alte Oberfläche eines Mondes im Sonnensystem ist. Im Bild die über 1 400 Kilometer große Asgard-Struktur. Überraschenderweise hat die Galileo-Mission herausgefunden, daß selbst Callisto - wie seine beiden inneren Nachbarn Ganymed und Europa - noch eine hundert Kilometer mächtige Wasserschicht unter der Eiskruste verborgen ist.



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Autor: Ulrich Köhler WWW-Bearbeiter: Wilfried Tost
Letzte Änderung: Friday, 02-Jul-2004 16:17:08 CEST
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